Donnerstag, 19. Oktober 2017

Eifel - Kringel oder IFRD 2017

Die Sonne steht noch ziemlich flach an diesem Morgen, als ich vors Haus trete und Gesa startklar mache, sie lässt die Tropfen auf den Blättern glitzern. Ich mag diesen goldenen Schimmer, der über der Landschaft liegt. Ich wische die Sitzbank von Gesa ab und schiebe sie nach vorne. Gestern abend, als wir angekommen sind, war weit und breit keine Tankstelle mehr geöffnet gewesen. Deshalb muss ich heute morgen los und etwas Sprudel für Gesa besorgen. Die Wirtsleute haben mir gesagt, es gäbe in Waxweiler eine Tankstelle, die heute morgen geöffnet hätte. Ich mache mich also auf den Weg. Die Reifen sind noch kalt und so fahre ich vorsichtig die Serpentinen gleich hinter dem Dorf. Im Tal sieht man Waxweiler liegen. Wie in einem Film. Aus manchen Schornsteinen auf den Häusern steigt etwas Rauch auf, sonnige Wiesen, schattige Wälder umrahmen die Ortschaft. Im Ort sehe ich eine Hinweistafel auf die Tankstelle. DIE Hinweistafel, wie sich herausstellen wird. Denn zunächst brumme ich fröhlich an der Straße vorbei, in der die Tankstelle liegt. Ich bin schon fast aus dem Dorf wieder raus, da dämmert mir, daß hier keine Tankstelle mehr zu erwarten sein kann. Ich drehe also um. Zurück im Ort bleibe ich an der Kreuzung stehen - und da kann ich sie nun auch sehen. Die Tankstelle hat geöffnet, ich bekomme Sprit.
Als ich bezahle, wundert sich die Frau an der Kasse, daß ich ganz von Mainz komme. Sie fragt mich, ob ich die Strecke heute morgen gefahren sei. Nein, um Himmels Willen! Ich erzähle, wo ich übernachtet habe und sie erzählt, daß sie früher häufiger nach Mainz zu fahren gehabt hatte. So findet man immer irgendwo Leute, die schon mal irgendwas mit Mainz zu tun gehabt haben.

Gesa habe ich, zurück am Hotel, gleich etwas fluchtgünstiger aufgestellt. Nun wird es auch für mich Zeit, zu frühstücken. Die anderen sind schon alle da, manche sind schon wieder auf ihren Zimmern und machen sich für die heutige Tour fertig. Heute ist IFRD. Heute ist es wieder so weit, Frauen auf der ganzen Welt sind aufgerufen, heute Motorrad zu fahren. Wir werden ein würdiges Bausteinchen dabei sein.

Es ist halb zehn, als wir uns starklar machen und die ersten Motoren angeworfen werden. Die Gruppen, in die wir uns haben einteilen lassen, entsprechen unserem Fahrstil und unserem Können. Gestern abend haben wir schon mal den Ablauf für den heutigen Tag erklärt bekommen und nun sammeln wir uns zu unseren Gruppen zusammen. Ich fahre mit Frauke und ein paar Frauen von meinem Mainzer Stammtisch. Als Stammtisch direkt haben wir noch keine gemeinsame Ausfahrt gemacht, das wird unsere Premiere sein. Da Frauke auch bei unserem Stammtisch dabei ist, werden wir quasi eine geschlossene Gruppe darstellen.
Wir bauen uns am Straßenrand auf und warten, bis die Gruppe vor uns losgefahren ist. Dann geht es auch für uns auf die Strecke. Die Sonne ist in der Zwischenzeit etwas milchig geworden, aber das tut unserer Freude keinen Abbruch. Es geht zunächst aus dem Ort hinaus und danach eine kleine, geschwungene Straße beragab. Jemand hat rote Luftballons in Herzform am Wegesrand aufgehängt. Wir nehmen das mal als Liebeserklärung unserer Fans hin.
Um diese Uhrzeit ist in der Eifel nicht viel los. Auch an einem Sonnabendvormittag ist Verkehrschaos ein Fremdwort in dieser Gegend. Die Landschaft hat stellenweise etwas von Allgäu, sonnenbeschienene Matten, kleine Wäldchen, kleine Ortschaften. Wir schwingen durch ein Wiesental. Nach einer Biegung geht es an einem kleinen Fluß entlang. Auf der anderen Seite ist eine Ortschaft, Densborn, und eine Bahnlinie. Als wir an der nächsten Kreuzung abbiegen, ist der Bahnübergang auf der anderen Flußseite geschlossen. Wir stoppen die Maschinen. Es ist ein wenig, wie aus einer anderen Zeit. In der Ferne kräht ein Hahn, die Sonne scheint milde, die Landschaft liegt in Frieden. Irgendwann zerteilt Motorengeräusch die Stille. Das ist eine unserer Gruppen. Sie fahren an der Kreuzung vorbei. Nach ein paar Augenblicken gesellen sich noch ein paar Motorradfahrer zu uns. Allerdings kümmern sie sich nicht groß um uns. Als auch sie die Motoren gestoppt haben, ist wieder Stille. Plötzlich fangen die Gleise an, leise zu singen. Dann erscheint ein roter Triebwagen. Mit einem kurzen Quietscher bleibt er stehen. Fahrgäste strömen auf den Bahnsteig. Eine Lautstprecherdurchsage, dann brummt der Motor des Triebwagens wieder auf und er rauscht an uns vorbei. Als die letzten Achsen vorbei sind, heben sich die Schwellen wieder leicht. Klick, klick, klick, die Schrankenbäume heben sich wieder und bleiben rasselnd in ihrer höchsten Stellung stehen. Wir haben indes die Motoren wieder gestartet und warten darauf, daß das rote Licht erlischt.
Als wir fort sind, versinkt der Bahnübergang und die Ortschaft wieder in ihrer Beschaulichkeit.
Wir fahren zwischen Wald und Feldern nach Maisburg. Den Namen kenne ich. In meiner Grundschulklasse damals, war ein Mädchen, das mit Nachnamen Maisburger hieß. Ich überlege, ob die Vorfahren vielleicht von hier gekommen sein mögen. Die Ortschaft ist nicht groß und wir sind schneller durchgefahren, als ich diese Zeilen tippen kann.
Jetzt, am Sonnabendmorgen liegt zudem noch alles ganz verschlafen da. Nur vereinzelt sind bisher Personen auf der Straße unterwegs gewesen. Autos sind auch noch nicht allzu viele in Erscheinung getreten. Als wir uns dem Meerfelder Maar nähern, wird die Straße enger. Kurz hinter einer recht engen Stelle kommt uns ein Auto entgegen. Ich habe im Rückspiegel gesehen, daß die anderen sich haben etwas zurückfallen lassen. Ich warne den Autofahrer lieber, als daß er den Rest unserer Gruppe niedermäht.
Das Meerfelder Maar können wir mehr ahnen, denn sehen. Wir fahren hier auch ohne Halt vorbei. Nach wenigen Kilometern erreichen wir Manderscheid. Hier ist schon mehr los. Hier gibt es Autos und Traktoren. Frauke lotst uns auf einen Parkplatz. Dort warten berereits andere von uns. Hier sollen auch die anderen Gruppen entlang kommen. Sie fahren ansonsten teilweise die gleiche Route wie wir, nur werden die sportlich orientierten ein paar Kilometer mehr fahren und die beiden anderen Gruppen jeweils abgestuft etwas weniger. Am Ende werden wir alle unserern Spaß haben und auf unsere Kosten kommen.
Frauke, Claudia und ich laufen ein paar Schritte und schauen ins Tal, auf die Niederburg. Das ist schon recht erhaben hier.


Die Sonne hat sich mittlerweile etabliert und es beginnt, etwas wärmer zu werden. Einige von uns erledigen noch wichtige Dinge und dann geht es auch schon weiter für uns. Wir schlängeln uns ins Tal, und durch viel Wald, in Richtung Autobahn A1. Vor der Autobahn erkenne ich bereits die charakteristischen Merkmale einer ehemaligen Eisenbahnlinie. Ihr folgen wir nun ein paar Kilometer und biegen dann nach Wittlich ab. Hier gibt es eine kleine Runde durch die Stadt und schließlich wieder gen Norden.


Nach ein paar Kilometern biegen wir ab, in Richtung Bad Bertrich. Hier bin ich schon ein oder zwei Mal gewesen. Vom Ort selbst sehen wir heute nicht viel, eine Umgehungsstraße führt uns an der eigenlichen Ortschaft vorbei. Nach einigen Kurven durch den Wald erreichen wir die Mosel bei Alf. Hier war immer eine scharfe Kurve in der Kreuzung. Mittlerweile ist hier ein Kreisverkehr. Wir fahren weiter, in Richtung Moselbrücke.
Das Besondere an dieser Brücke ist, daß oben die Züge fahren und unten die Autos, die Fahrräder und Fußgänger. Wir als Motorradfahrer bleiben auch lieber unten. Auf der Brücke begegnen wir einer Familie mit einem großen gelben Hund. Noch denken wir uns nichts dabei, aber später werden wir von Annika eine Geschichte dazu hören.
Wir fahren ein paar Kilometer an der ehemaligen Moselbahn entlang, überholen eine Fahrradgruppe und biegen dann in Richtung Grenderich ab. Es ist eine ganz kleine Straße und ich habe bald das Gefühl, wir werden in einem Wingert landen, oder auf einem Feld. Aber ich kenne auf der anderen Seite die Gegend an der Mosel gut genug, um zu wissen, daß es recht viele solcher kleinen Straßen hier gibt. So fahren wir guten Mutes weiter. Die Straße führt uns durch den Wald und nach einer Kehre sind wir auch bald in Grenderich.
Kehren kommen noch ein paar und dann sind wir bald in Liesenich. Hier wird es unser Mittagessen geben. Der Gasthof Moselhöhe erwartet uns. Hier gibt es einen großen Parkplatz und hier sind Motorradfahrer willkommen. Unsere Gruppe ist allerdings die erste, die hier von uns ankommt. Wir müssen eine ganze Weile warten, bis alle von uns eingetrudelt sind.
Annika hat, als sie eintrifft, einiges zu erzählen. Sie hat den großen gelben Hund an der Moselbrücke beinahe unter den Rädern gehabt. Die Leute hatten sich überhaupt nicht dafür interessiert, wo ihr Purzel so hinläuft und wem er vors Motorrad rennt. Unfassbar eigentlich.

Der Gastraum ist groß und gemütlich, ländlich sittlich eingerichtet, und es gibt genügend Platz für uns alle. Es ist zwar gerade Spargelzeit, aber ich lasse mich zu einem Burger hinreißen. Keine falsche Entscheidung, wie sich herausstellt. Nicht, daß der Spargel etwa nichts taugen würde, aber der Burger ist schwer amtlich. Donnerlittchen!
Nach dem Essen und etwas Ausruhen, bauen wir uns alle draußen noch für das offizielle Gruppenbild auf. Damit erscheinen wir dann auch auf der IFRD Webseite. Denn, ich erinnere noch einmal dran, auf der ganzen Welt sind Frauen heute aufgerufen, Motorrad zu fahren. Und, es fahren auch überall, rund um den Globus Frauen heute Motorrad. Zusammen und alleine, in aller Herren Länder.
 Für die Weiterfahrt starten wir alle etwas zeitversetzt. Unsere Gruppe ist ziemlich zuletzt dran, weil wir ja auch zuerst dort gewesen sind und nun etwas eingebaut zwischen den anderen Motorrädern stehen. Gesa steht gut geschützt. Hier kann ihr nichts passieren, falls jemand Domino spielen möchte.
Auf der Weiterfahrt geht es zunächst wieder in Richtung Mosel. Wir folgen dem Fluß wieder ein paar Kilometer in Richtung Ediger Eller und schlagen uns dann ins Hinterland. Auf dem Weg durchqueren wir einen Golfplatz.
Verluste durch Bälle gibt es allerdings keine bei uns. Nach ein paar Kilometern duch fabelhafte Landschaft, biegen wir nach Schalkenmehren ab. Ich glaube, hier bin ich schon mal gewesen, auf jeden Fall hat mein alter Fotohändler davon erzählt. Wir rollen in den Ort hinunter und biegen auf einen Parkplatz ab. Eigentlich ist der für Busse gedacht. Wir fragen lieber mal nach. Aber wir dürfen dort parken und man heißt uns Willkommen. Hier haben wir Kaffee und Kuchen eingeplant. Und das auch noch mit Maarblick! Sensationell! Mit Blick auf den Schalkenmehrener Maar sitzen wir und trinken Kaffee und lassen es uns gut gehen.
Von der Sonne, die uns bislang begleitet hatte, ist seit ein paar Kilometern nichts mehr zu sehen gewesen. Es hat sich zugezogen. Aber bislang ist es trocken.
Auch als wir aufbrechen ist es noch trocken. Wir schlängeln uns durch die Eifel in Richtung Gerolstein.

In Gerolstein bin ich schon ein paar Mal gewesen. Aber das ist auch schon wieder Jahre her. Einige von uns müssen tanken. Und so suchen wir uns nun eine Tankstelle.Wir kommen von einer Seite, von der ich noch nie gekommen bin, und so habe ich gar keine Orientierung.
An der Ausfallstraße finden wir schließlich, was wir gesucht haben und wir können die Tanks vollaufen lassen.
Wir folgen der Kyll und auf den letzten paar Kilometern fangen doch tatsächlich noch die Tropfen auf der Scheibe an.

Bis wir zu Hause sind, regnet es druchaus schon etwas mehr als nur drei Tropfen. Eine Vorahung von dem, was uns morgen auf dem Heimweg blühen wird, beschleicht uns. Wir stellen die Maschinen auf dem Parkplatz vom Hotel ab und sehen zu, daß wir ins Trockene kommen, bevor es richtig losbricht. Und es ist wirklich so, kaum sind wir drinnen, geht es auch tatsächlich richtig los mit dem Regen. Wir haben ernsthaft Glück gehabt.
Jetzt rasch umgezogen und sich für den Abend zurecht gemacht. Und dann nichts wie runter, denn das Abendessen wartet schon auf uns.
Wir sitzen noch lange und erzählen, bis irgendwann langsam tröpfchenweise die Leute in den Kojen verschwinden. Es ist ein megatoller Tag gewesen, aber auch ein klein wenig anstrengend. Und wir sind alle keine zwanzig mehr, wie wir festgestellen.

Montag, 5. Juni 2017

Wenn die Tage länger werden... Honda Pressetag 2017

+++05.05.2017+++

In regelmäßigen Abständen fliegen die weißen Streifen rechts und links unter mir vorbei. Hinter der Leitplanke stauen sich die Autos. Kevin, der mich kurz vorm Flughafen überholt hatte, entdecke ich zwischen ihnen. Ich drehe etwas mehr am Griff und lasse Gesa mit den erlaubten 120 dahinsausen.
Den Vormittag dieses Freitages hatte ich in einem Frankfurter Vorort verbracht und nun ist es kurz nach ein Uhr Mittags und das Rhein Main Gebiet bläst zum Wochenendstart. Ich habe Glück und schwimme noch vor der Welle her, aber auf dem Rückweg werde ich da mitten hineingeraten. Doch erst einmal steht etwas anderes auf dem Programm.
Wenige Kilometer hinter Hanau überquere ich den Weißwurstäquator und bin in Bayern. Die A3 bringt mich an Aschaffenburg vorbei. Seit ein paar Minuten irritiert mich ein starker Geruch nach WD40. Gesa kann es nicht sein, denn wir benutzen ein anderes Deo. Irgendwann sehe ich aus dem Auto vor mir eine dicke Rauchschwade aufsteigen. Ahhh! - Das ist es! Da dampft wieder mal einer. Das Zeug, das die da inhalieren riecht bisweilen recht abartig. Ein Kommilitone von mir hat etwas geraucht, das nach Schimmel roch. Komische Sitte.
Hinter Aschaffenburg ist es nicht mehr weit. Noch ein paar Ausfahrten und ich sehe das Schild "Weibersbrunn" am Straßenrand stehen. Hier setze ich den Blinker und fahre ab. Vor mir dieselt ein Bus die Abfahrt rauf und schaukelt durch den neuen Kreisverkehr. Ich kann es kaum noch erwarten, aber es ist klar, der biegt in der Ausfahrt ab, in der ich auch raus muss. Aber- es ist nicht mehr weit.
Gesa tickt auf dem Parkplatz vor dem Hotel, als ich mit Helm und Tankrucksack zu einem kleinen roten Pavillon stapfe. Erfreute Gesichter, man kennt mich noch! Das Mittagessen habe ich verpasst, also trage ich meinen Namen ein, unterschreibe eine Erklärung und erhalte im Gegenzug ein Kärtchen mit meinem Namen darauf. Ich habe noch die fast freie Auswahl. Also - wähle ich - Moment - die
Es ist angerichtet...

CFR250Rally
Wow! Von vorne sieht sie richtig erwachsen und mörder nach Adventure aus! Fast wie eine kleine Africa Twin. Aber sie hat nur einen Zylinder und der hat gerade einmal 250 ccm Hubraum. Alles macht einen guten Eindruck. Und dabei hatten wir gerade noch geglaubt, der Eintopf sei tot. Es lebe der Einzylinder! Ich schwinge locker mein Bein über die hohe Sitzbank. Und kippe beinahe zur anderen Seite über. Was ist das? Die hat mich fast wieder abgeworfen! Unter meinem Gewicht federt die Maschine recht deutlich ein. Ich starte den Motor, es angenehmes Geräusch kommt von unten. Gang rein und los. Ich tuckere zum Zelt vor, rufe die Nummer des Motorrades zu den lieben Leuten hinter dem Tisch und gebe Gas. Die Maschine lenkt sich anders als Gesa, oder die KLX, die ich schon mal gefahren bin. Was mir auffällt, der Schalthebel ist weiter weg von der Fußraste als normal. Damit soll man vermutlich auch so etwas wie Trial fahren können. Ich fahre durch Weibersbrunn duch und schlängele mich an geparkten Autos vorbei. Im Rückspiegel kann ich, wenn ich mich etwas verrenke noch weitere Motorräder sehen. Die winke ich hinter dem Dorf an mir vorbei. Erst mal muss ich mit der Maschine warm werden. Und die Strecke sehen.
Ich kenne sie zwar von vor zwei Jahren, aber seitdem bin ich auch nicht mehr hier gewesen. Ich weiß nur noch grob, was da für Kurven kommen. Da vorne ist die Kurve, in der es damals die Fireblade zersägt hatte. Ich fahre vorsichtig. Noch zwei Kurven und meine Fotoecke ist erreicht. Da parkt ein VW Bus, aber von dem lasse ich mich nicht stören und stelle mich halt ein Stück weiter auf.
Kommst du nix rein. Einfahrt für motorisierte Zweiräder verboten. Dann nicht.

Karl Dall war gestern. Jetzt gibts Steampunk

1445 mm Radstand

Erst mal den Rundgang starten und beschauen, was ich da fahre. Die Maschine macht, wie gesagt, einen guten Eindruck. Alles ist wertig verbaut, wie es von Honda nicht anders zu erwarten ist. Vorne eine große Upside - Down Gabel, eine kleine Verkleidung, ein kleiner Tank, eine Sitzbank in 895mm Höhe - aus. An der Sitzbank entdecke ich Punkte, an denen Koffer angebracht werden können. Das ist also eine Reiseenduro. Die Sitzbank selbst scheint nicht abnehmbar zu sein. Die Maschine hat alles, was man braucht. Aber auch nicht mehr. Es gibt die vorgeschriebenen Dinge an Bord und als Extra ist das ABS an der Hinterachse abschaltbar.


Die Spitze des Schalthebels ist klappbar.

So, verehrte Leser und Leserinnen an den Geräten draußen, sollte Ihre Kette nicht aussehen.



Das sieht nach Kofferaufhäungen aus.

Der Tank fasst 10,1 Liter. Man soll damit 330 km weit kommen.


Abschaltbares Hinterrad - ABS

Keine Schmähs. Aber alles da.

An/ Aus/ Feuer.

Wenn die Blume mitfährt

Wenn man besser alleine unterwegs ist.
Nach meinem Rundgang schwinge ich mich wieder in den Sattel, ich bin jetzt gewappnet, es klappt auch sofort besser, und fahre weiter. Vor Rothenbuch haben sie die Strasse neu geteert. Das scheint aber neulich grad erst gewesen zu sein, denn es gibt noch keine Markierungen. Was mir an der Maschine gleich aufgefallen ist, sie nickt wie ein Schaukelpferd. Sowohl beim Bremsen, als auch beim Anfahren. In Rothenbuch fahre ich noch mal kurz auf den Parkplatz und drehe dort eine Runde. Tuff - tuff - tuff - sagt der Motor. Leichtfüßig läßt sie sich regieren.
Zurück auf die Landstraße. Hier geht es gleich nach der Ortschaft bergauf. 250 Kubik sind kein Tanzsaal. Ich fahre nur noch gute 80. Oben auf der Landstraße brauche ich auch lange, bis ich etwas über 90 auf der Uhr stehen habe. Bergab bekomme ich sie kurzzeitig auf über Hundert, muss aber gleich wieder abbremsen.
Es dauert nicht lange, da stehe ich mit ihr wieder auf dem Hof. Was kann ich also zusammenfassend zu dem Motorrad sagen? Ein feines Maschinchen! Wenn man einiges leichter als ich ist, und vermutlich auch kleiner, dann kann man mit ihr sehr viel Spaß haben. Das Fahrwerk ist zumindest an der Hinterachse, soweit ich das gesehen habe, einstellbar.
Möglicherweise ist auf dem Wege auch noch was für Leute wie mich herauszuholen. Womit ich wieder mal nicht wirklich warm werden konnte, das ist das Windschild. Aber da es keine standardisierten Motorradfahrer und Fahrerinnen gibt, ist das kein Minuspunkt für mich.

NC750S
Ich war sie ja vor zwei Jahren schon einmal gefahren. Im letzten Jahr hatte ich das Vergnügen, die "X" mit DCT zu fahren und in diesem Jahr ist die "normale" NC 750S wieder dran. Zunächst einmal bin ich etwas erstaunt, denn das Motorgeräusch hatte ich anders in Erinnerung gehabt. Sie klingt kräftig, bollernd, gerade richtig. Ich rolle los. Noch einmal bin ich überrascht. Sie läuft sehr stuhr geradeaus. Ich biege ab, in Richtung Weibersbrunn, auf meine übliche Runde. Der Geradeauslauf ist etwas gewöhnungsbedürftig. Woran das nun liegt, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht sollte ich bei Gelegenheit mal eine zweite Maschine gegentesten. Die Gänge lassen sich exakt schalten und es ist total easy mit ihr durchs Dorf zu brummen. Hinter Weibersbrunn merke ich nicht, daß es nur 55 PS sein sollen. Das fühlt sich gut an. Sobald man eine gewisse Geschwindigkeit überschritten hat, beginnt sie leichtfüßig zu werden. Hier in den etwas rascher gefahrenen Kurven ist von Störrigkeit nichts mehr zu merken.
Ich mache wieder meinen obligatorischen Stop in meiner "Fotokurve". Die Maschine ist soweit bekannt. Am Display hat es wohl ein paar Veränderungen gegeben, die sind aber nur kosmetischer Natur. Neu sind die LED Leuchten an der Vorderseite.
Hübsch und ein klein wenig ungwöhnlich


Ansonsten ist alles bekannt. Elekronische Schmähs sind ihr fremd geblieben. Schön aufgeräumt geht es an den Griffen zu.

Der Bremsengriff ist verstellbar





Eine sichtbare Euro 4 Zutat. Der Reflektor.

Der Tank findet sich unterm Gepäck.

Auch wieder etwas ungewohnt, die roten Räder.
In den praktischen Kofferraum bekomme ich indes auch bei der "S" Variante meinen Helm nicht hinein. Ich bin halt einfach zu groß. Dieser Kofferraum, der dort sitzt, wo sonst sich der Tank breit macht, soll ja nicht von Anfang an als Kofferraum geplant gewesen sein. Der Motor der NC ist ja im Prinzip ein halbierter Automotor aus dem Honda Jazz und der Raum darüber ist, wenn man die frühen Patente zur NC 700 sieht, eigentlich für einen Kompressor mit Druckbehälter vorgehalten gewesen.
Wie dem auch sei, ich schwinge mich wieder auf die Sitzbank und brumme weiter. Die Strasse nach Rothenbuch ist ja viel besser als beim letzten Mal, aber in ihrem letzten Stück ist sie so wie immer. Das bedeutet, hier gibt es noch geflickte Stellen und kleine Löcher und alles, was das Fahrwerk so braucht. Die NC nimmt das alles recht ungerührt und gibt nur wenig an mich weiter. Sehr schön. In Rothenbuch mache ich noch eine kleine Handlingübung auf dem Parkplatz. Jetzt, wo ich weiß, wie die Maschine läuft, geht das recht gut.
Aus dem Ort hinaus geht es in eine Steigung, auch da gibt es nichts zu beanstanden. Die Maschine zieht gut und hat auch da mit mir keine Probleme. So soll es sein.
Auf der Landstrasse ist sie dann wirklich fein und sicher zu fahren und ich bin nach wenigen Momenten wieder am Kreisel in Weibersbrunn.
Das ist ein ganz anderes Motorrad, als ich es vor zwei Jahren kennengelernt habe. Honda hat es sehr gut verstanden, Gutes noch besser zu machen.
Mein Fazit also zur NC750S? Genau wie letztes Mal! Sollte in keinem Haushalt fehlen!

CMX500 Rebel
Einmal ein Rebell sein! Das möchte doch eigentlich jeder einmal. 
Mit der neuen Honda CMX500 Rebel kann man das jetzt. Ich schwinge mich auf den niedrigen Sattel. Die Maschine wirkt etwas eigenwillig mit ihrem steilen Tank, erinnert ein wenig an die Kawasaki LTD, und gibt eine coole Bobberoptik. Sitzt man aber drauf, dann gibt es fast so etwas wie Harleyfeeling. Das verfliegt allerdings, wenn man den kleinen Reihenzweizylinder anwirft. Aber - wurscht! - los gehts! Ich biege wieder ins Dorf ab und schlängele mich zwischen parkenden Autos und einem Bus durch. Danach dann auf der freien Landstrasse kommt sogleich Freude auf. Das Ding fährt wirklich gut, wenngleich die Geschwindigkeitsentfaltung bei 46 PS nicht mörderisch ist. Ich wedele entspannt durch die Kurven und komme bald an meine Fotokurve.


Coole Linie. Der Soziussitz und seine Fußrasten sollen im Handumdrehen abgebaut sein.
Ungewöhnlich für eine Honda ist die Lage des Zündschlosses. Es befindet sich auf der linken Seite, oberhalb des Motors. Ein bisschen wie bei den Triumph Klassik Modellen vor der Euro vier.

Das Lenkerschloss auf der anderen Seite


Sichtbare Technik

500 Kubik, aus der CBR500R

Hupe mit Hitzeschutz
Die Maschine ist mit 690mm  niedrig, aber für mich nicht zu niedrig. Meine Füße finden ihren Platz auf den Rasten und ich kann auch schalten und bremsen. Auch wenn die Fußhaltung für mich etwas ungewohnt ist. Man sitzt aufrecht, hängt aber nicht im Wind.
Die Maschine ist gedrungen und setzt auf die hippe Bobberoptik. Allerdings kommt sie mit einem kleinen Kissen für einen Sozius daher, ist also durchaus tauglich für eine Ausfahrt zu zweit. Die Probanden sollten allerdings nicht allzu groß sein. Ansonsten ist sie wirklich chic gemacht, was wie Metall aussieht, ist auch welches. Auf große elektonische Orgien braucht man nicht zu hoffen, alles ist schlicht und funktional. Ich schwinge mich wieder in den Sattel und starte auf die Rothenbuch - Runde. Die Maschine macht wirklich Spaß, sie überfordert nicht, macht alles mit und man ist noch relativ flott und cool unterwegs.


Nur die wesentlichen Dinge. Wie schnell, wie voll, wie warm, wann muss ich daheim sein.


Vorne und hinten hemmt Nissin den Lauf.

Einstellbares Federbein
Als es dann bergauf geht, ist erwartungsgemäß recht bald Schluß mit Beschleunigung. Aber das macht nichts, zum Rasen ist sie eh nicht gedacht.
Auf der Landstrasse geht es dann leicht bergab, da läuft es sich gleich viel leichter. Und so bin ich auch hier nach wenigen Minuten wieder auf dem Hof.
Wie rebellisch war denn nun der Ritt? Hm, wirklich rebellisch nicht, aber er hat echt Spaß gemacht. Es ist keine Harley, auch wenn die Optik, als ich draufsaß, der Iron recht nahe kam. Für die entspannte Fahrt zur Eisdeale ist das aber auf jeden Fall ein cooles Bike.

X - ADV
Da hatte Honda uns nun schon lange mit Videos neugierig gemacht auf eine neue Adventure Maschine, die auch für den Auftritt in der Stadt taugen sollte. Die irresten Dinge hatte man sich vorgestellt. Aber was kam dann? Ein Roller. Öhhh - ein Roller?
Yop, ein Roller. Und was für einer. Ich steige auf. Das Bein muss dabei über die Sitzbank gewuchtet werden, wie bei einem normalen Motorrad. Danach ist aber alles anders. Honda hat ja schon früher bewiesen, daß sie Raumschiffe bauen können. Denken wir dabei an den herrlichen Vultus. Hier ist es ihnen erneut gelungen. Ich hocke auf der Sitzbank und starre auf die Bedienelemente. Heck! Wo ist der Zündschlüssel? Und wo das Loch um den reinzustecken? Und was ist das für ein großer Drehschalter? Den sehe ich mir nächer an. Da ist ein On/ Off Symbol drauf.
Sollte das? Ich drehe dran. Bsssst! Die Kraftstoffpumpe läuft an. Aha. Ich drücke auf den normalen Startknopf und es erwacht der Motor zum Leben. Das ist aber kein lahmes Rolleraggregat. Das ist ein Motor. Den Ständer hochgeklappt, auf "D" und los. Das "D" verrät es bereits, hier erwartet uns DCT. Das heißt, der Hebel auf der linken Lenkerseite ist keine Kupplung. Keine Kupplung! Das muss man so laut rufen, denn die Grenzen verschwimmen hier drauf. Von außen ein Roller, von oben ein Motorrad, gekreuzt mit einem Raumschiff.
Ich probiere auf  den ersten Metern die Bremshebel aus, um herauszufinden, welcher welcher ist. Aber das scheint wenigstens so zu sein, wie man es vom Motorrad kennt, vorne ist rechts. Ich bin bei sowas immer skeptisch, seit ich mich mit einem geliehenen Fahrrad mal, samt Kamera bös überschlagen habe ("Ei Frolleinsche, was mache sie dann do!")
Rollerlike wirbelt man durch das Dorf, und zieht danach kräftig am Kabel. Da geht was. Mit den kleinen Rädern bin ich etwas vorsichtig mit Kurven, bei meiner Fotokurve komme ich dann aber souverän zum Stehen. Erst mal beschnüffeln. Was haben wir da?
Roller kann man in Italien besonders gut. Deshalb hat Honda auch ein Designcenter in Rom bemüht.

Hier versteckt sich ein 750 Kubik Motor. Wir kennen ihn schon.

Das ist wirklich ein Zwitter. Vieles verbirgt sich hinter der Plastikhaut, so versuche ich mich im Hebelheben. Das klappt gut, der Kofferraumdeckel springt sogleich auf. Hier finde ich auch den Schlüssel. Der wiederrum macht sich gut, bei dem Versuch das Topcase zu öffnen. Das habe ich allerdings auf einmal in der Hand. Upsi. Hoffentlich bekomme ich das wieder fest bis zur Weiterfahrt! Es gibt da einen Mechanismus, dessen Wesen ich erst einmal durchschauen muss. Irgendwann sitzt der Behälter wieder dort, wo er hinsoll und ich lasse den Schlüssel entspannt wieder in den Kofferraum gleiten.
Soll 212 Liter fassen und LED Beleuchtet sein.



Geht schön langsam auf. Man erwartet allerdings Heldenmusik dabei.
Rollerlike hat der X- ADV einen zusätzlichen Hauptständer. Einzig mit dem Windschild komme ich wieder nicht klar. Ich schaffe es leider auch nicht, es zu verstellen, so muss es also so bleiben, wie es ist. Die Speichenräder, die Reifen und die Spuren, die die Tester vor mir hinterlassen haben, lassen es ahnen. Damit kann man tatsächlich ins Gelände. Das kann ich heute leider nicht ausprobieren. Mein Tag ist noch lang und der Weg weit. Also treibe ich mich zum Aufbruch, vielleicht bekomme ich ja noch eine Maschine getestet!
Keine Pedale.




Achtung, ein Bremshebel!!


Falls man doch manuell schalten möchte.


rauf

runter
Bald so groß wie ein Tablet.

Doppelte Scheibe vorne.


Hauptständer mit Lagesensor


Böser Blick.
Ich rolle also auf Rothenbuch zu und dort die Steigung empor. Eine Gruppe GS - Fahrer guckt ganz verdutzt, als ich mich erdreiste, sie zu grüßen.Wenn ich nicht wüsste, daß der Hebel zu meiner Linken ein Bremshebel ist, ich könnte wirklich meinen, ich säße auf einem Motorrad. Es fährt sich tatsächlich so. Nicht wie ein Roller. Das DCT scheint wieder eine Generation weiter zu sein. Dieses schaltet genauso, wie Du es auch machen würdest. Hier gibt es keinen Grund für manuelles Geschalte.
Nach ein paar Augenblicken stehe ich auch mit dem X- ADV wieder auf dem Hof und mache mir so meine Gedanken. Hat das Spaß gemacht? Jo! Und wie! Könnte man damit auch verreisen? Keine Frage! Das ist ein vollwertiger Ersatz.

CB 1100 RS
Was nun? Eine geht noch. Da nehme ich ... Meine heimliche Liebe vom vorletzten Mal. Die CB 1100. Sie sieht fast unverändert aus. Diesmal ist es aber nicht die EX, sondern die RS Variante. Die ist ganz neu. Sie unterscheidet sich in einigen wichtigen Details von der EX Variante. So ist zum Beispiel der Lenkkopfwinkel tatsächlich ein anderer. Dazu kommt noch das gute Showa Fahrwerk.  Der Tank der neuen CB 1100 scheint etwas flacher zu sein, als bei der Vorgängerein, ein wenig wie bei Moto Guzzi. Es ist also kein reines Facelift, da hat sich im Zuge von Euro vier mehr getan. Vor zwei Jahren hörte ich die Kollegen noch rufen "Langweilig!" und sah sie abwinken. Ja hatte denn nur ich das Potential entdeckt gehabt? Nein. Die Hipsterwelle hatte Honda einfach noch nicht erreicht. Jetzt ist sie eines der Highlightbikes, von denen mehrere hier in Weibersbrunn zur Verfügung stehen. Neu für mich ist die Showa Federung. Ich lasse den Motor an. Seidenweich. Klack, los. Schon vom ersten Meter an fühle ich mich zu Hause. Rechts rum und durchs Dorf. Der Lenker ist etwas ungewohnt. Er ist sehr schmal. Das gehört bei der RS - Variante aber so. Aber auch so macht die Maschine sofort Spaß! Ich fahre an meiner Fotokurve vorbei und schwebe Rothenbuch entgegen. Schwebe? Ja, schwebe. Das Fahrwerk bügelt alles weg. Das ist echt erstaunlich, wie das läuft. Man hat Lust schneller zu fahren.
In Rothenbuch stelle ich mich auf den kleinen Parkplatz und mache eine Runde um die Schöne.
Zum Niederbrechen!



Alles sehr edel. Der Motor ist nicht verchromt und somit etwas pflegeleichter bei der Reinigung. Das ist ein alltagstaugliches Motorrad. Alles ist schön verarbeitet und sauber ausgeführt. So, wie es sein soll. Der Scheinwerfer ist behutsam modernisiert worden und das Cockpit übersichtlich wie eh und je.

Heizgriffe könnte man extra ordern


LED vorne



Goldenes von Showa


Hinten Nissin

Vorne Tokico
Ich muss los. Ich kann hier nicht stehenbleiben. Ich habe noch einen guten Weg vor mir. Also aufsitzen, Motor an und los. Das Schwingen durch die Kurven, die Steigung hoch, ist ein Genuss. Auf der Landstrasse ist sie auch gleich zu Hause, hier geht es flott und ohne Probleme wieder zurück nach Weibersbrunn.
Was soll ich sagen? Großes Lob an Honda! Sie haben ein gutes Motorrad noch verbessert. Das ist wirklich großes Kino. Very distinguished.

So. Nun kann mich aber wirklich nichts mehr halten. Außer vielleicht Kaffee und Kuchen, denn ich bin seit sechs heute morgen auf den Rädern. Aber das Buffett ist bereits geplündert, nur noch Krümel. Und Kaffee scheint auch alle zu sein. Also verweile ich nicht lange und sehe zu, daß ich meinen Tankrucksack wiederbekomme. Ich verabschiede mich und sehe zu, daß ich zu Gesa zurückkomme.
Bye bye Weibersbrunn!
Rasch Gesa noch an die Tankstelle geführt und die Luft aus dem Tank gelassen. Auch wenn es nur normales Super war, das ich in ihren Tank füllen konnte.
Ich kehre auf die Autobahn zurück. Diesmal Richtung Norden. Richtung Rhein Main Gebiet. Es hilft nichts, ich muss da durch. Ich hatte schon überlegt im Vorfeld, ob ich vielleicht quer durchfahren soll und mit der Fähre nach Oppenheim und dann querfeldein, aber ich bin mir sicher, dabei zu viel Zeit zu verlieren. Das nächste Mal.
Noch ist auf meiner Autobahn nicht viel los. Im Gegensatz zur Gegenfahrbahn. Von Norden kommen alle die, die jetzt Feierabend und Wochenende haben. Es ist kurz nach vier.
Am Frankfurter Flughafen komme ich auch noch gut vorbei, aber dann, als ich auf die A67 überwechsele, um nach Mainz zu kommen, ist der Stau da. Ich stehe und rolle langsam mit den ganzen Bürohelden durch den Wald zwischen Waldorf und Rüsselsheim. Im Dreieck geht es wieder etwas flotter, aber dann scheint endgültig Schluss zu sein. Ich beschließe in Rüsselsheim gleich bei der ersten Ausfahrt rauszufahren und mich Richtung Ried zu schlagen. Das gelingt mir auch ganz gut, einen Moment lang überlege ich noch mal, ob ich nicht doch mit der Fähre fahren soll, schlängele mich aber dann doch durch und komme in Ginsheim wieder zur Autobahn. Hier läuft es wieder. Mal gespannt, wie lange. Die Antwort lässt nicht ewig auf sich warten. Hinter dem Hechtsheimer "Tunnel" rote Lichter. Ich schlängele mich zum rechten Fahrstreifen durch und komme überraschend gut am Autobahnkreuz vorbei. Danach ist der Spuk zu Ende, es ist kurz nach sechs, der Weg ist frei. Ich gebe hinter Heidenfahrt Gas und wir brummen mit guten 120 auf der Autobahn dahin. Am Dreieck Nahetal wechsele ich auf die A61.
Auch hier ist kein großer Verkehr mehr. So braucht es auch nicht mehr allzulange, bis ich in Rheinböllen bin. Hier wird die Autobahn verlassen. Jetzt kommt die Straße über den Hunsrück. Wie ich so an Simmern vorbeifahre, merke ich, daß ich langsam müde werde. Der Tag und die Woche stecken mir in den Knochen. Ich bin seit heute morgen um viertel vor fünf auf den Beinen und seit sechs aus dem Haus. Ich habe außerdem in der Zwischenzeit ein eineinhalbstündiges Referat gehalten und die Diskussion dazu moderiert und ein paar Motorräder durch den Spessart gescheucht.
Die Strecke ist monoton. Ich habe Hunger. Aber mich erwartet gleich noch ein Abendessen. Ich hatte heute aber noch nicht wirklich was gehabt. Meine Tanks sind leer. Was war die letzten Kilometer gewesen? Keine Ahnung. Es ist höchste Eisenbahn eine Pause zu machen. Denn in dem Zustand den Hunsrückabstieg zu machen, no chance. Da vorne ist eine Stelle, an der königliche Frikadellenbrötchen verkauft werden. Da werde ich rausfahren und mir so ein Ding gönnen. Und eine Cola. Das süße Zeug ist nicht meins, aber in solchen Fällen nimmt man alles!
Ich lasse mich nach einer gefühlten Ewigkeit am Tresen vorne auf die harte Sitzbank sinken. Aus der Jackentasche grabbele ich mein Händi und schreibe eine Nachricht an Frauke. Nicht, daß die sich Sorgen macht! Dann wende ich meinen berühmten "Verschwinde - Trick" an, den ich bei Nahrungsmitteln gerne nutze. Ein Wunder, daß ich das Papier übrig gelassen habe. Die kurze Pause hat gut getan, wieder erstarkt trete ich meine weitere Reise an. Ich drehe noch mal meine Landkarte um, denn jetzt komme ich in ein Gebiet, in dem ich nicht täglich unterwegs bin. Dann weiter. Ich folge der Strasse nach Bernkastel - Kues und dann wiederum der LKW Strecke. Ich denke mir so, die werden ja so LKW nicht irgendwelche engen Serpentinen fahren lassen.
Oh doch. Werden sie doch. Das wollte ich eigentlich vermeiden, wenn ich nicht mehr ganz fit bin. Aber es hilft nichts, durch. An der Mosel gibt es einen neuen Weg in Richtung Bitburg. Die Hochmoselquerung wirft ihre Zubringer voraus. Ich komme wieder auf die A60. Auf der war ich ja heute schon mal, hinter dem Rüsselsheimer Dreieck, bis hinter Bingen. Hier geht sie weiter. Eigentlich war sie ja durchgehend geplant gewesen, inklusive Brücke über die Mosel. Jetzt ist sie als umstrittene Bundesstrasse über den Hunsrück gelandet. Die ihre Vierstreifigkeit alleine dem etwas glücklosen Flugplatz im Nichts verdankt. Hier oben geht sie also weiter. Ich fahre etliche Kilometer und komme mir vor wie an der Zonengrenze. Links und rechts hohe Zäune, die mal etwas von der Autobahn zurückspringen und dann im nächsten Moment wieder dicht neben ihr her laufen. Gesas Tacho zeigt knappe 140. Viel mehr soll man mit den Koffern nicht fahren. Ich muss noch mal kurz anhalten, um die Karte umzudrehen und dann ist es nicht mehr weit.
Kurz bevor die Autobahn nur noch aus zwei Fahrstreifen besteht, fahre ich ab. Es geht noch ein paar Kilometer über eine holprige Strasse und dann bin ich da. Überall Autos. Was ist denn hier los? Am Ende der Welt? Ich sehe hinter dem Haus jede Menge Motorräder stehen, entdecke gleich ein paar bekannte Maschinen und stelle mich mit Gesa dazuwischen. Geschafft. Das ist das "Fünfmädelhaus". Ich lasse alles bei Gesa und gehe erst einmal rein.



Was für ein Tag! Morgens um sechs aus dem Haus, sechs Stunden Schule, ein Honda Pressetag und dann noch die Fahrt in die Eifel. Doch, was will ich dort? Bleiben Sie dran!